
Die Europameisterschaft 2008
Für Philipp war es bereits das dritte große Turnier in seiner Länderspielkarriere. Nach dem dritten Platz bei der WM 2006 war die Vorgabe für die EM nun: „Unser Ziel ist es, ins Finale zu kommen. Und wenn wir das geschafft haben, dann wollen wir das Endspiel auch gewinnen.“ Die Ambitionen untermauerte Philipps Team bereits im Auftaktspiel gegen Polen. Der DFB-Elf gelang ein nie gefährdeter 2:0 Sieg in Klagenfurt. Die Euphorie wurde in der nächsten Begegnung gegen Kroatien jedoch etwas gebremst. Gegen die Kroaten gab es eine 1:2-Niederlage. Im letzten Gruppenspiel musste das DFB-Team somit Gastgeber Österreich besiegen, um sicher in die Runde der letzten Acht einziehen zu können. Dies gelang schließlich durch den Freistoßtreffer von Kapitän Michael Ballack.

Nach dem 1:0 Sieg gegen das Nachbarland hieß der Gegner im Viertelfinale Portugal. Die Elf von Luiz Felipe Scolari gehörte mit zu den Turnierfavoriten. In einer spannenden Begegnung behielt Philipps Team am Ende die Oberhand. Portugal wurde mit 3:2 besiegt. Im Halbfinale wartete anschließend die Türkei auf die DFB-Auswahl. In einem turbulenten Spiel, in dem Philipp mit dem Siegtreffer in der 90 Minute seinen persönlichen Höhepunkt feiern konnte, gewann Deutschland 3:2. Nach der Begegnung erhielt Philipp die Auszeichnung "Man oft he match". "Das war ein extremes Spiel", sagte er nach dem Halbfinale gegen die Türkei und fügte an: "wir sind aber glücklich, dass wir das Finale erreicht haben."
Dort ging es am Sonntag, den 29. Juni gegen Spanien. Die Iberer erwischten im Endspiel den besseren Tag und siegten mit 1:0. Fernando Torres sorgte für den entscheidenden Treffer. "Wir haben nicht so gut nach vorne gespielt, wie wir uns das erhofft haben. Wir haben zu viele Fehler gemacht. Wir wollten den Titel holen, haben es leider nicht geschafft", sagte Philipp und gratulierte der spanischen Mannschaft zum verdienten Erfolg. In der Niederlage richtete sich sein Blick sogleich nach vorne: "Jetzt steht eine WM-Qualifikation an, die wir schaffen wollen und schaffen werden." Zwei Tage nach der Finalniederlage wurde Philipps Team auf der Berliner Fan Meile von hundert tausenden begeisterten Fans für die Leistung während des Turniers gefeiert. Ein würdiger Abschluss einer tollen Europameisterschaft, bei der Philipp als einer von drei deutschen Spielern in den UEFA EM-Kader 2008 gewählt wurde.

Die Weltmeisterschaft 2006
Die WM 2006 in Deutschland war für Philipp ein unglaubliches Erlebnis. Durch seinen leidenschaftlichen Fußball hat er sich in die Herzen der Fans gespielt. Philipp erzielte am 9. Juni gegen Costa Rica den ersten Treffer und schrieb damit gleich WM-Geschichte. "Für mich war es das Tor das Jahres, es war sogar das Tor meines Lebens", konnte es Philipp kaum glauben. Nach dem 4:2-Sieg gegen Costa Rica wurde er von der ganzen Welt gefeiert. "Das war eine Weltklasse-Leistung von Philipp Lahm. Er hat perfekt gespielt und ein tolles Tor geschossen. In dieser Form kann er einer der Top-Spieler der WM werden", sagte beispielsweise Diego Maradona.
Am 14. Juni im zweiten Gruppenspiel gegen die Polen unterstrich Philipp die Prognose von Maradona. Beim 1:0-Erfolg wurde er zum "Man of the Match" gewählt. Am 20. Juni gewann die deutsche Mannschaft auch ihr drittes Spiel gegen Ekuador, wurde überlegen Gruppensieger und qualifizierte sich für das Achtelfinale. Dort traf Deutschland auf Schweden. Das Spiel endete 2:0 und Philipp stand mit seinen Mannschaftskollegen im Viertelfinale.

Am 30. Juni im Viertelfinale hieß der Gegner Argentinien. Auch von Seiten der Südamerikaner erntete Philipp viel Anerkennung. "Er ist der beste Linksverteidiger des Turniers", sagte Argentiniens Kapitän Juan Pablo Sorin über Philipp und der ehemalige argentinische Weltmeister-Trainer César Luis Menotti meinte sogar: "Für mich ist er der beste Spieler der WM. Er verteidigt gut, er hat ein gutes Angriffsprofil und vermag es, sich perfekt zu lösen."
Gegen Argentinien setzte sich das DFB-Team ebenfalls durch. Nach dem es nach Verlängerung 1:1 gestanden hatte, entschieden die Deutschen das Elfmeterschießen mit 4:2 für sich. Im Halbfinale hieß der Gegner Italien. Leider gab es dabei hier die erste Niederlage für Philipp & Co. 2:0 gewannen die Italiener nach Verlängerung und der Traum vom Finale war geplatzt.

Trotz der Enttäuschung im Halbfinale konnte sich das DFB-Team für das Spiel um Platz drei nochmals motivieren. Mit 3:1 wurde am 8. Juli gegen Portugal gewonnen und Philipp beendete mit der deutschen Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft 2006 auf dem dritten Platz. Zum Abschluss bedankte sich das deutsche Team für die sensationelle Unterstützung während des Turniers bei den Fans und präsentierte sich am Sonntag, den 9. Juli in Berlin der Nation. Über 500.000 Menschen kamen dafür in die Hauptstadt-Fanmeile und Millionen verfolgten die Veranstaltung vor dem Fernseher. Es war der gelungene Abschluss eines unglaublichen Turniers.
Trotz Verletzung fester Bestandteil
Der Kontakt zu den DFB-Verantwortlichen blieb aber auch während der Zwangspause erhalten. "Ich wurde vom DFB-Team während meiner Verletzung immer unterstützt. Jürgen Klinsmann war mit der Erste, der sich an dem Tag, als ich mich verletzt habe, bei mir gemeldet hat", freute sich Philipp, der sich während der langen Verletzungspause sicher sein konnte, dass er im gesunden Zustand zum festen Bestandteil der deutschen Nationalmannschaft zählt. Für Philipp war klar: "Mein Ziel ist es wieder in der Nationalmannschaft zu spielen." Nachdem er sich im November 2005 in der Bundesliga zurückmeldete und beim FC Bayern wieder zur alten Stärke fand, war sein Comeback im DFB-Team nur eine Frage der Zeit. Ende Januar 2006 wurde Philipp vom Nationaltrainer zum WM-Vorbereitungslehrgang nach Düsseldorf eingeladen und am 1. März 2006 war es dann soweit. Nach 14 Monaten Pause absolvierte er wieder einen Einsatz für die deutsche Nationalmannschaft. Gegner bei seinem 16. Länderspiel war Italien. Mit 1:4 unterlag das deutsche Team gegen die "Squadra Azzurra". Trotz des ernüchternden Ergebnis gegen die Italiener war die Euphorie bei Philipp auf Weltmeisterschaft in Deutschland ungebrochen. Für ihn wurde das Turnier das wichtigste Ereignis in seiner bisherigen Karriere.

Auf Völler folgt Klinsmann
Nach der EM trat Nationaltrainer Rudi Völler zurück und Jürgen Klinsmann wurde Völlers Nachfolger. Wie schon unter Völler spielte Philipp auch bei Klinsmann eine wichtige Rolle auf der linken Abwehrseite. 2004 absolvierte der Münchner alle Spiele unter dem neuen Bundestrainer. Darunter auch drei Partien während der Asien-Reise im Dezember. Das Spiel am 21. Dezember gegen Thailand (5:1) sollte für Philipp vorerst das letzte für einen längeren Zeitraum sein. Im Januar 2005 zog er sich einen Mittelfußbruch im rechten Bein zu. Nach dem der Beinbruch überwunden war, folgte im Mai ein Kreuzbandriss und so absolvierte Philipp 2005 kein einziges Länderspiel.
Erstes Tor im dritten Spiel
Beim dritten Länderspiel gegen Rumänien musste er seine bisher höchste Niederlage im Nationaltrikot hinnehmen. Mit 1:5 unterlag das Team von Rudi Völler in Bukarest. Einziger Lichtblick war der Ehrentreffer, den ausgerechnet Philipp beisteuerte und somit sein erstes Tor für Deutschland bedeutete. Nach drei Spielen hatte sich der damals 20-Jährige zur festen Größe im DFB-Team entwickelt. Bei der Europameisterschaft in Portugal war Philipp auf der linken Abwehrseite gesetzt. Das Turnier verlief für die Deutsche Mannschaft jedoch erfolglos. Das DFB-Team schied nach drei Vorrundenspielen gegen Holland, Lettland und Tschechien aus. Philipp war einer der wenigen Lichtblicke im deutschen Team und wurde wegen seines couragierten Spiels von Presse und Experten gelobt.

Erstes Länderspiel im Februar 2004
Seit Sommer 2003 spielte er beim VfB Stuttgart in der Bundesliga und sorgte durch hervorragende Leistungen in der Liga und Champions League für Furore. Dies registrierte auch der damalige DFB-Teamchef Rudi Völler, der schon seit längerem auf der Suche nach einem geeigneten Linksverteidiger war. Im Februar 2004 schien die Suche beendet, denn Philipp erhielt von Völler seine erste Nominierung in die deutsche A-Nationalmannschaft: "Erfahren habe ich es damals von Felix Magath. Er hat mich in sein Zimmer geholt und gesagt: ‚Philipp, du bist nächste Woche mit dabei ." Auch im Kreise der Nationalspieler setzte sich das Talent des jungen Münchners auf Anhieb durch und so kam Philipp am 18. Februar 2004 mit 20 Jahren zum ersten Länderspieleinsatz. Mit 2:1 besiegte Deutschland damals Kroatien und Philipp spielte 90 Minuten. "Am Anfang war ich etwas nervös, aber das hat sich ziemlich schnell gelegt und es war ein ordentliches Spiel von mir", berichtete Philipp über seine ersten Schritte im DFB-Team.

Philipp in der Juniorennationalmannschaft
Als Jugendspieler des FC Bayern war Philipp Lahm schon früh im Blickpunkt der Auswahltrainer auf regionaler und nationaler Ebene. Etliche Nominierungen in Jugendnationalmannschaften waren die Folge. Der Höhepunkt dabei war dabei die U19 Europameisterschaft in Norwegen. Zum damaligen deutschen Team gehörten unter anderem Moritz Volz, David Odonkor, Mike Hanke oder auch Piotr Trochowski. Erst im Finale mussten sich die Deutschen den Spaniern geschlagen geben. 0:1 endete die Partie am 27. August 2002 durch ein Tor von Fernando Torres. Nach der U19 EM absolvierte Philipp noch sechs U20- und drei U21-Länderspiele. In Erinnerung sind ihm dabei vor allem die beiden EM-Qualifikationsspiele mit der U21 gegen die Türkei. Durch ein Tor von Benjamin Auer in der 90. Minute sicherte sich die deutsche Mannschaft am 18.11.2003 in Istanbul die Teilnahme an der Endrunde 2004 in Deutschland. Bei dem Turnier jedoch sollte Philipp schon nicht mehr zum Kader der U21 gehören.