Der Weg an die Spitze
Am 11. November 1983 erblickte Philipp in München das Licht der Welt. Gemeinsam mit seiner zwei Jahre älteren Schwester Melanie wuchs er behütet und umsorgt von den Eltern Daniela und Roland sowie seinen Großeltern im Münchner Stadtteil Gern auf. Eine enge familiäre Verbundenheit sowie Engagement und Ehrenamt im Stadtteil- und Vereinsleben wird im Hause Lahm großgeschrieben. Besonders der Freien Turnerschaft Gern kommt dies zugute. So machte Philipp im Alter von fünf Jahren in dem Verein, für den schon sein Vater die Fußballschuhe schnürte, seine ersten fußballerischen Gehversuche. Er spielte mit viel Leidenschaft und Engagement beim FT Gern, so dass in der D-Jugend die großen Münchner Vereine auf das Talent aufmerksam wurden. Sowohl der FC Bayern als auch der TSV 1860 luden ihn zum Probetraining ein. Was Philipp am Ende überzeugte: das Münchner Kindl durfte beim FC Bayern Balljunge im Olympiastadion sein und so entschied er sich für den Rekordmeister.
An der Säbener Straße durchlief Philipp alle Jugendmannschaften. Am erfolgreichsten war seine Zeit bei den A-Junioren. Sowohl 2001 als auch 2002 gewannen die Bayern-Youngster die Deutsche Meisterschaft. In seinem letzten Jahr bei den A-Junioren gehörte Philipp bereits zum festen Stamm der Regionalliga-Mannschaft des FC Bayern. Als Jugendspieler des FC Bayern war er auch schon früh im Blickpunkt der Auswahltrainer auf regionaler und nationaler Ebene. Etliche Nominierungen in Jugendnationalmannschaften waren die Folge. Der Höhepunkt dabei war am 28. Juli 2002 das Finale bei der U19 Europameisterschaft in Norwegen, bei dem sich Deutschland den Spaniern nach einem Tor von Fernando Torres mit 0:1 geschlagen geben musste. Ein Duell welches Philipp im Laufe seiner Karriere noch öfter erleben sollte. Im selben Jahr feierte Philipp auch sein Profidebüt für den FC Bayern. Am 13. November wurde er in der Champions League-Partie gegen den RC Lens kurz vor Spielende eingewechselt.
Da die Konkurrenz in München jedoch enorm war, entschied sich Philipp im Sommer 2003 auf Leihbasis für zwei Jahre zum VfB Stuttgart zu wechseln. Während er in München vorwiegend auf der rechten Abwehrseite und im defensiven Mittelfeld zum Einsatz gekommen war, ließ Felix Magath, der damalige VfB-Coach, den Rechtsfuß auf der linken Abwehrseite spielen. Philipp gelang auf Anhieb den Sprung in die Stammelf und wurde die Entdeckung der Saison 2003/2004. 31 Bundesliga- und sieben Champions League-Spiele absolvierte er im ersten Profijahr. Auch der damalige DFB-Teamchef Rudi Völler, der schon seit längerem auf der Suche nach einem geeigneten Linksverteidiger war, wurde auf ihn aufmerksam und so kam Philipp am 18. Februar 2004 im Spiel gegen Kroatien mit 20 Jahren zum ersten Länderspieleinsatz in der deutschen A-Nationalmannschaft. Bei der Europameisterschaft 2004 in Portugal war Philipp auf der linken Abwehrseite bereits gesetzt. Die deutsche Mannschaft spielte jedoch ohne Erfolg und schied nach drei Vorrundenspielen gegen Holland, Lettland und Tschechien aus.
Philipp war einer der wenigen Lichtblicke im DFB-Team und wurde wegen seines couragierten Spiels von Presse und Experten gelobt. So startete er auch voller Selbstvertrauen in seine zweite Profisaison. Nach dem er in der Vorrunde bei fast allen Spielen dabei war, begann die Rückrunde ohne ihn. Bei einem "Socca-Five"-Spiel im Januar 2005 zog sich Philipp einen Mittelfußbruch im rechten Bein zu. Nach zwölf Wochen Pause kehrte er zurück und absolvierte noch sechs Spiele für den VfB. Am 17. Mai folgte der nächste Rückschlag. Philipp riss sich im Training ohne Einwirkung eines Gegenspielers das Kreuzband im rechten Knie. Eine Woche später wurde er bereits in Vail im US-Bundesstatt Colorado von Kniespezialist Dr. Richard Steadman operiert. Seine Zeit in Stuttgart fand damit ein abruptes Ende, da er die Reha nach der OP bereits in München beim FC Bayern absolvierte. Intensiv und konzentriert arbeitete Philipp im Sommer 2005 auf seine Rückkehr hin.
Am 19. November war es soweit. Ein halbes Jahr nach seinem Kreuzbandriss stand er, nach seinem Kurzeinsatz 2002, zum zweiten Mal für das Profi-Team des FC Bayern auf dem Platz. Schnell fand Philipp zur alten Stärke zurück und hatte als Stammspieler und Leistungsträger großen Anteil an den nationalen Erfolgen. Er feierte am Ende der Saison 2005/06 seine erste Deutsche Meisterschaft sowie den DFB-Pokal Sieg. Mit diesen Erfolgen im Rücken bereitete Philipp sich mit der deutschen Nationalmannschaft auf die bevorstehende Weltmeisterschaft im eigenen Land vor. Bei einem Testspiel am 16. Mai 2006 gegen den FSV 63 Luckenwalde zog er sich jedoch einen Teilabriss der Sehne und des Seitenbandes im linken Ellbogen zu, so dass er operiert werden musste. Fast die komplette WM-Vorbereitung verbrachte Philipp in der Reha, doch pünktlich zum Eröffnungsspiel am 9. Juni 2006 gegen Costa Rica war er wieder mit dabei und schrieb gleich WM-Geschichte.
Beim 4:2-Sieg erzielte er in der 6. Minute sensationell das erste Tor des Turniers und gab damit den Auftakt für das Sommermärchen, bei dem sich Deutschland durch leidenschaftlichen Fußball in die Herzen der Fans spielte. Der Traum vom Weltmeistertitel endete jedoch im Halbfinale. Nach einem dramatischen Spiel unterlag das DFB-Team dem späteren Weltmeister Italien in der Verlängerung mit 0:2. Am Ende wurde Philipp mit Deutschland nach einem 3:1-Sieg gegen Portugal WM-Dritter und von den FIFA-Experten in die Mannschaft des Turniers gewählt. Dieses Privileg wurde ihm auch bei der EM 2008 zu Teil. Für Philipp war es bereits das dritte große Turnier in seiner Karriere. Nach dem dritten Platz bei der WM 2006 war die Vorgabe für die EM ins Finale zu kommen. Dies gelang der DFB-Elf nach Schwierigkeiten in der Gruppenphase durch einen 3:2-Viertelfinal-Sieg gegen Portugal und einen 3:2-Erfolg im Halbfinale gegen die Türkei, bei dem Philipp mit seinem Tor in der 90 Minute Deutschland ins Endspiel brachte. Dort ging es am 29. Juni gegen Spanien. Die Iberer erwischten im Endspiel den besseren Tag und siegten mit 1:0. Fernando Torres sorgte wie schon sechs Jahre zuvor bei der U19-EM für den entscheidenden Treffer.
In der darauffolgenden Saison musste Philipp mit dem FC Bayern einige Rückschläge hinnehmen. Unter dem neuen Trainer Jürgen Klinsmann fand der Rekordmeister nicht zur gewohnten Souveränität, weshalb dieser kurz vor Saisonende durch Jupp Heynckes ersetzt wurde. Der Übergangscoach führte die Mannschaft noch auf Platz zwei und sicherte somit die direkt Qualifikation für die Champions League. Mit Louis van Gaal bekam der FC Bayern 2009 erstmals einen niederländischen Trainer. Nach Startproblemen steigerten sich die Münchner im Laufe der Saison und gewannen souverän die Meisterschaft und den DFB-Pokal. Auch in der Champions League erreichte der FC Bayern nach 2001 erstmals wieder das Finale. Am 22. Mai 2010 im Estadio Santiago Bernabéu in Madrid musste sich der deutsche Rekordmeister jedoch Inter Mailand mit 0:2 geschlagen geben. Aufgrund der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika blieb Philipp wenig Zeit der Endspielniederlage nachzuweinen.
Bereits vier Tage nach der Partie in Madrid ging es für ihn ins WM-Vorbereitungslager der deutschen Nationalmannschaft nach Südtirol. Dort angekommen übertrug Bundestrainer Joachim Löw, stellvertretend für den verletzten Michael Ballack, die Spielführerbinde an Philipp. Damit war er der jüngste deutsche WM-Kapitän aller Zeiten. Auch die Mannschaft, welche er anführte, war mit einem Durchschnittsalter von 24,96 Jahren das zweitjüngste deutsche WM-Team der Geschichte. Nichtsdestotrotz begeisterte die junge Mannschaft mit großem Teamgeist und modernem Offensivfußball die Fans weltweit. Einmal mehr waren es die Spanier, die den Traum vom Titel beendeten. Im Halbfinale unterlag man den Iberern mit 0:1. Durch einen 3:2-Sieg gegen Uruguay sicherte sich das DFB-Team am Ende Platz drei und Philipp wurde wie schon bei der WM 2006 und der EM 2008 ins Allstar-Team des Turniers gewählt. Eine Ehre, die kein anderer Spieler weltweit für sich verbuchen kann. Neben dem Sport folgte das größte Highlight für Philipp drei Tage nach der Weltmeisterschaft. Am 14. Juli 2010 heiratete er seine Freundin Claudia Schattenberg. Am Vormittag gab sich das Paar bei der standesamtliche Trauung im Rathaus von Aying das Ja-Wort. Nachmittags fand in der barocken Wallfahrtskirche St. Emmeram im Ortsteil Kleinhelfendorf die kirchliche Hochzeit statt. Abgerundet wurde „der schönste Tag des Lebens“ durch ein rauschendes Fest im engsten Familien- und Freundeskreis.







